Die Erste Woche, Montag bis Donnerstag:
Kapstadt-Reisebericht von Johannes (3.7.-22.7.06)
Kursiv geschriebenes habe ich später eingefügt.
Flug
Es gibt so viel zu erzählen, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Am besten also chronologisch:
-
Flug
Der Flug war sehr angenehm. Alles verlief reibungslos. In Frankfurt war ich schnell und die Zeit zum Umsteigen kam mir sehr kurzweilig vor.
Mit South African Airlines gings dann weiter. Ich hatte zwar nur einen Platz in der mItte, aber der Platz neben mir blieb lehr und so konnte ich mich bequem ausbreiten.
Beim Abendessen konnte man den Hauptgang und den Nachtisch des Menüs selbst wählen, und ich entschied mich für gebratenes Hähnchen, angerichtet an Kartoffeln und Bratensoße. Sah lang nicht so gut aus als es sich anhört, aber geschmacklich wars sehr ok. Zum Nachtisch gabs dann noch 3cm³ Obstkuchen. Um mir die Langeweile zu vertreiben, hab ich mir Punk Panther und King Kong angeschaut und geschlafen.
Wir kamen sogar überpünktlich vor 5 Uhr morgends (nach dem Frühstück) in Kapstadt an. Passkontrolle und Zoll verlief ohne Probleme und Saskia wartete bereits auf mich. Sie holte mich mit dem Auto ab, damit kommen wir nun zu
-
Verkehr
Natürlich lauf ich als Beifahrer zur rechten vorderen Tür. Gleich falsch.
Als Beifahrer links zu sitzen war schon sehr komisch. Aber nach einer halben Woche hab ich mich glaub so langsam dran gewöhnt. Auf der Straße hätt ich fast alle für verrückt erklärt, auf der falschen Seite zu fahren, aber wie gesagt, man gewöhnt sich daran.
-
erste Erfahrungen
Stress! Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Gerade komm ich von Abiball- und Packstress nach Südafrika ( „Urlaub“ hätte ich gedacht), schon ist Hektik angesagt. Ok, für den ersten Tag galt das noch kaum, ich durfte schlafen bis mittgags, essen und shoppen gehen mit Kirstin, Saskias Mitbewohnerin (Saskia war währenddessen beim Workshop). Abends sind wir dann noch ins „Paulaner“ (=quasi kleines Hofbräuhaus) zum Fußball gucken. Danach schnell ins Bett. Total eurobäischer Tag also, kein Kulturschock.
-
Geschichte
Zum weiteren kulturellen Verständnis einen kurzen Einblick in die Geschichte des Landes:
Im 17. Jahrhundert kamen die Holländer und besetzten das Land. Sie wollten die Schwarzen versklaven, aber die weiterten sich (was ich sehr cool finde). Aber die Holländer „importierten“ daraufhin die Sklaven von ihren anderen Kolonien, die Schwarzen vertrieben sie ins Landesinnere.
Im 19. Jahrhundert kamen die Engländer und damit die starke Rassentrennung. Sie führten irgendwann die „Apartheid“ ein. Das hieß, in den Städten wurden die Wohngebiete aufgeteilt. Im Zentrum die weißen, darum herum die „Coloured“ (also Nachkommen der Sklaven und Mischlinge) zum Schutz vor den Schwarzen, die ganz nach außen gesiedelt wurden. Wer „falsch“ wohnte, wurde plattgewalzt. Es ist krank, sich jetzt über die vielen grünen Flächen nache des Zentrums zu freuen. Die Schwarzen wohnten nun also vor der Stadt und zunächst auch in ganz akzeptablen Behausungen. Aber dann kam es zu einer Landflucht und alle Zuwanderer (Schwarze) drängten zu den Schwarzen in die „Townships“. Völlig überfüllt wohnen die Schwarzen jetzt in Wellblechhütten. Und die Rassen hassen sich jetzt fast Abgrund tief.
-
Mittwoch
Saskia arbeitet in einem der Townships in einem Center der Organisation „Women for Peace“. Die Organisation versucht, den Leuten Kurs in „Life Skills“ anzubieten und sie in ihren Problemen zu unterstützen.
Nach dem Frühstück sind wir also zum Center gefahren zum Workshop zum Thema Stressbewältigung. Die Leute dort sind allesamt total nett (ich wurde ein bisschen an Big Mamas House erinnert)!
Am Anfang wurde zum Beispiel ein Psalm auf Xhosa (mehrstimmig!) gesungen, das hörte sich fantastisch an! (Zur Sprache Xhosa muss ich später noch schreiben) Kurz vor 3 mittags waren wir dort dann fertig, aber wir sollten um halb fünf schon am Technikon (= Technische FH) sein zur Abfahrt nach Jo´Burg. Also schnell heim, essen, fertig Pakcen, … und weiter.
-
Johannesburg – Die Fahrt hin.
So ungemütlich bin ich lange nichtmehr gereißt. Wir waren 30 Leute und hatten zwei große Sprinter. Das mit dem Reisebus ist irgendwie nichts geworden. Die Sprinter hatten jeweils 20 Sitzplätze, aber wegen dem Gepäck war fast jeder Platz belget. Beinfreiheit war quasi ein Fremdwort, vor verstellbaren Rückenlehnen ganz zu schweigen.
Dafür war die Stimmung gut. In dieser Hinsicht kann man die Schwarzen mit Italienern vergleichen. Sie sangen und tanzten wo Platz war und das mit dem Schlafen hat irgendwie auch hingehauen. Wir hatten damit gerechnet, rund 20h zu fahren für die 1500km. Pustekuchen, aber langsam…
Als es Morgen wurde, konnten wir endlich die atemberaubende Natur sehen. Sie sieht aus, wie im Film: weite Ebenen, manchmal mittendrin ein Hügel oder sogar Berg, bewachsen mit gelbem Graß, einigen Büschen und ein paar Bäumen. Gefehlt haben nurnoch die Giraffen, Elefanten … usw.
Vormittags war dann irgendwas am Auito kaputt (musste ja kommen…) undwir warteten eine Südafrikanische Stunde (knapp zweieinhalb deutsche), bis das Auto fertig war. Dann gings weiter durch die „Prärie“.
Um 4 sahen wir endlich die ersten Häuser von Jo´Burg. Ich hatte erwartet, dass eine Stadt mit meinem Namen schöner ist… Die Armut hier ist erschreckend. In Kapstadt hat man davon so lange nichts gemerkt, weil sie nur in den Vorstädten zu sehen ist. Aber hier versuchen die Schwarzen auch unter den größten Bankenhochhäusern durch Ramschverkäufe oder eben Betteln an Geld zu kommen. Weiße hab ich kaum gesehen, noch weniger aber fröhliche Leute auf der Straße. Nach einer Stunde habe ich die erste Frau lachen sehen. Das brachte mich für die nächsten Stunden in einen tiefen Kulturschok.
Den habe ich aber überwunden, als wir dort waren.
Die Unterkunft
erinnert an eine stillgelegte Kaserne: recht große Schlafsääle, die mit 2m hohen Wänden abgeteilt sind zu zwei-Bett-Zimmern. Ich teile mein Zimmer mit „Gomez“, einem spaßigen aber vernüftigen mid-dreißiger(sieht man ihm net an) der 1998 aus Angola nach Kapstadt zog.
Um den Kulturschock abzuwenden half mir die Ansprache des Trainers, der sein Team motivierte, ihre Region würdig zu vertreten. Dann das Essen: Hähnchenteile vom KFC und Brot (vergleichbar mit deutschem Toastbrot, weiß, ungetoastet). Und am Ende sind wir noch durch die Gänge getanzt zu einer Art Afrikanischem Techno.